„Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.“ – Adolf von Harnack
In der modernen Elementarpädagogik hat sich dieser Begriff fest etabliert und geht weit über die klassische „Elternarbeit“ hinaus. Es ist der Wechsel von einer rein informativen Beziehung („Der Kindergarten informiert über Aspekte rund um die kindliche Entwicklung und die pädagogische Arbeit.“) hin zu einer aktiven Kooperation zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften mit dem Ziel, das Kind bestmöglich in seiner Entwicklung zu begleiten. Doch was bedeutet das im Einzelnen für jedes Kind?
Experten und Expertinnen auf Augenhöhe
Das Fundament jeder Bildungspartnerschaft ist die gegenseitige Anerkennung des jeweiligen Wissens aller am Bildungsprozess eines Kindes beteiligten Personen. Während pädagogische Fachkräfte das fachliche Wissen über Entwicklungsschritte und Gruppendynamiken einbringen, sind Eltern die unangefochtenen Experten und Expertinnen für die Individualität, Biografie und die Bedürfnisse ihres Kindes. Wenn beide Seiten dieses Wissen teilen, entsteht ein ganzheitliches Bild, das eine passgenaue Förderung ermöglicht. Augenhöhe heißt nicht, dass beide Seiten das Gleiche wissen müssen, sondern dass beide Perspektiven gleich wichtig für das Wohl des Kindes sind.
Dazu gehört:
- Gegenseitiger Respekt: Die Meinung der Eltern wird nicht als „Einmischung“ abgetan, und die fachliche Einschätzung des Kindergartens und Horts wird nicht als „Besserwisserei“ empfunden. Bei der Hortbetreuung wird auch die Expertise der Lehrkräfte einbezogen. Den gegenseitigen Respekt zu entwickeln ist auch hier Aufgabe der Bildungspartnerschaft.
- Gemeinsame Lösungsfindung: Bei herausfordernden Aufgaben wie z. B. bei der Sauberkeitserziehung, die Eingewöhnung oder auch bei Schulaufgaben wird nicht über das Kind entschieden, sondern man berät sich, wie Strategien von zu Hause und aus dem Kindergarten und auch aus der Schule (bei Hortkindern) kombiniert werden können.
- Offene Kommunikation: Bei einer offenen Kommunikation fließen die Informationen in beide Richtungen. Fachkräfte verstecken sich nicht hinter pädagogischen Fachbegriffen, und Eltern trauen sich, kritische Fragen zu stellen.

Sicherheit durch Kontinuität
Für ein Kind ist der Kindergarten oft die erste Brücke zwischen der vertrauten Familienwelt und der Gesellschaft. Eine enge Abstimmung zwischen diesen beiden Lebenswelten schafft für das Kind eine kohärente Umwelt, was bedeutet, dass aus Kindersicht alles stimmig ist. Wenn Werte, Regeln und Rituale aufeinander abgestimmt sind oder zumindest gegenseitig respektiert werden, fühlt sich das Kind sicher und kann sich offener und mutiger auf Lernprozesse einlassen. Die Erfahrungen, die ein Kind in der Familie macht, werden im Kindergarten aufgegriffen und wertgeschätzt. Wenn ein Kind zu Hause beispielsweise eine andere Sprache spricht oder bestimmte Feste feiert, spiegelt sich dies im Kindergartenalltag wider.
Der Hort ist neben der Schule und der Familie ein dritter Lebensort für Kinder, auch hier ist der Austausch zwischen Familie und dem Hortteam wichtig für die bestmögliche Begleitung der Kinder am Nachmittag.
Das Kind fühlt sich mit seiner Identität ganzheitlich angenommen, wenn dies wertschätzend von den Pädagog*innen aufgenommen wird. Obwohl Kindergarten, Hort und Familie unterschiedliche Orte sind, werden grundlegende Bildungs- und Erziehungsziele miteinander abgestimmt. Wenn Eltern und Pädagog*innen ähnliche Vorstellungen von Selbstständigkeit, Partizipation oder sozialem Miteinander haben, gibt das dem Kind Orientierung und Sicherheit – besonders den Jüngeren.
Eine kohärente, zusammenhängende Umwelt entsteht also durch die Bildungspartnerschaft. Wenn Fachkräfte wissen, was das Kind am Wochenende bewegt hat, und Eltern wissen, welche Entdeckungen das Kind im pädagogischen Alltag gemacht hat, können beide Seiten darauf reagieren. Das Kind spürt: „Die Erwachsenen wissen voneinander und ziehen an einem Strang“. In einer kohärenten Umwelt muss das Kind nicht zwischen verschiedenen Rollen hin- und herwechseln. Es darf im Kindergarten oder Hort dieselbe Person sein wie zu Hause. Wenn die beiden Einschätzungen von Eltern und Fachkräften verschmelzen, entsteht diese „kohärente Bildungsumwelt“. Kohärenz bedeutet also einfach nur Zusammenhalt.
Eine kohärente Bildungsumwelt schützt das Kind daher vor Überforderung durch zu gegensätzliche Erwartungen und schafft einen sicheren Rahmen für seine Entwicklung. Das Kind erlebt, dass die beiden wichtigsten Welten seines Lebens (Familie und Kindergarten) miteinander kooperieren und sich gegenseitig schätzen. Diese Erfahrung ist eine wichtige Basis für Resilienz als psychische Widerstandsfähigkeit und effektive Lernprozesse. Wenn Kinder in Horte gehen, werden die Lehrkräfte der Volksschule ein Teil dieses Bildungsumfelds. Auf diese Weise entsteht ein wichtiges Bildungspartnerschaftsdreieck zwischen Lehrkräften, Eltern und Pädagog*innen.

Transparenz und Vertrauen
Jede gelungene Partnerschaft lebt von offener Kommunikation. Offene Kommunikation und Transparenz über pädagogische Ziele und den Alltag im Kindergarten oder Hort baut Vorurteile ab und stärkt das Vertrauen der Eltern in die Einrichtung. Umgekehrt fühlen sich Fachkräfte durch wertschätzendes Feedback der Eltern gestärkt. Dies reduziert Skepsis auf beiden Seiten und schafft ein positives Klima, das unmittelbar auf die Kinder abfärbt. Transparenz und Vertrauen sind aber auch die Brücken, die auch dann noch tragen, wenn es mal schwierigere Dinge miteinander zu besprechen gibt: Etwa dann, wenn das Kind mit Hilfe der Eltern weitergehende Unterstützung und Begleitung braucht oder wenn etwas zu Hause schwierig wird.
Wichtig ist, dass Eltern die pädagogischen Ziele und Methoden verstehen und nachvollziehen können. Ihre Ressourcen (Sprache, Kultur, Hobbys, Fachwissen) bringen sie ein, damit das Kind die Verbindung zwischen Lebenswelt zu Hause und dem Kindergarten konkret erlebt. Es gibt so viele Dinge, die es in einem jungen Leben zu entdecken gilt, welche aber auch für die Kinder zu Herausforderungen werden können. Wechselseitiges Vertrauen ist die wichtigste Voraussetzung, auf deren Grundlage pädagogische Fachkräfte und Eltern dem Kind hierbei helfen und es stärken können.
Das gilt für den Übergang in den Kindergarten genauso wie für den Übergang in die Volksschule. Auch das ist eine Phase, in der sich die Bildungspartnerschaft positiv auf die Kinder auswirkt, weil sie spüren können, dass die Erwachsenen gemeinsam für sie da sind. So können sie selbstbewusst in eine neue Welt eintreten und sich dort zurechtfinden. Bildungspartnerschaft bedeutet hierbei so zusammen zu arbeiten, dass die Kinder sich stark fühlen können. In diesem Übergang werden die Volksschulen mit ihren Lehrkräften auch eingebunden.
Partizipation ist mehr als nur Kuchenbacken für Feste
Bildungspartnerschaft bedeutet echte Beteiligung. Eltern werden nicht nur als Helfer bei Festen gesehen, sondern als Akteure, die das gemeinsame Kindergarten-Leben mitgestalten. Die Beteiligung der Eltern wird als wertvoll angesehen. Eltern werden explizit als „Expertinnen und Experten für ihre Kinder“ wahrgenommen.
Um dies zum Ausdruck zu bringen, gibt es verschiedene Formate der Partizipation. Das Herzstück ist der persönliche Kontakt, um den pädagogischen Alltag transparent zu machen. Dieser geschieht z. B. in Tür-und-Angel-Gesprächen als kurzer täglicher Austausch beim Bringen oder Abholen. Entwicklungsgespräche sind Individuelle Dialogformate zur Reflexion der kindlichen Entwicklung. Bei KIWI – Kinder in Wien gibt es die App KigaWeb für Eltern, diese ist eine digitale Plattform für den direkten Dialog. Sie ermöglicht die Verwaltung von Terminen und Abwesenheiten sowie die Weitergabe aktueller Informationen – und das auch in anderen Sprachen. Elternabende, Aushänge an Standorten und Elterninformationsmappen runden die kommunikativen Partizipationsangebote ab. Zudem gibt es exklusives Elterncoaching und Elternfachvorträge. Die Mitwirkung beim Beschwerdemanagement ist erwünscht – neben dem informellen Austausch gibt es strukturierte Wege für Feedback.
Pädagogische Teilhabe
In den KIWI-Standorten wird auch darauf Wert gelegt, dass Familien bei der Umsetzung von Inklusionsstrategien eng einbezogen werden, um individuelle Lösungen für jedes Kind zu finden. Wenn Eltern und pädagogische Fachkräfte an einem Strang ziehen, profitiert das Kind am meisten: Es erfährt Wertschätzung, Kontinuität und eine Umgebung, in der es sich optimal entfalten kann.
Bildungspartnerschaft ist pädagogische Teilhabe. Pädagogische Teilhabe verwandelt einen Kindergarten oder Hort von einem Ort der „Betreuung“ in einen Ort der gemeinsamen Gestaltung. Bei der pädagogischen Teilhabe haben nicht nur Eltern, sondern auch Kinder Mitsprachrechte. Kinder entscheiden mit, was gespielt wird, wie der Gruppenraum gestaltet ist oder welche Projekte durchgeführt werden, z. B. durch Kinderkonferenzen oder Abstimmungen. Sie haben zudem ein Selbstbestimmungsrecht und entscheiden über persönliche Belange, z. B. wie und wann sie beim offenen Frühstück im Bistro etwas essen möchten und ob sie bei einem Angebot mitmachen wollen. Kinder haben auch ein Beschwerderecht. Sie werden nicht nur ermutigt, Unzufriedenheit zu äußern, sondern wissen auch, an wen sie sich wenden können, wenn aus ihrer Sicht etwas nicht richtig für sie läuft.
Herausforderungen für alle Seiten
Die Gestaltung einer gelingenden Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften ist ein anspruchsvoller Prozess, der auch auf verschiedenen Ebenen durch spezifische Stolpersteine erschwert werden kann. Einer der größten Stolpersteine ist wohl der akute Zeitmangel. Pädagogische Fachkräfte sind eingebunden in den anspruchsvollen pädagogischen Alltag. Vor allem aber stehen berufstätige Eltern unter hohem Zeitdruck, was die Kommunikation beeinträchtigen kann.
Wie in der Familie auch, müssen sich für die Bildungspartnerschaft alle Beteiligten bewusst füreinander Zeit nehmen. Unterschiedliche Erziehungsvorstellungen und Wertehaltungen können ebenso zu Spannungen oder Missverständnissen führen. Prallen hier konträre Ansichten über Erziehungs- und Bildungsziele wie z.B. über Disziplin, Ernährung, Hygiene und Medienkonsum aufeinander, erfordert dies ein hohes Maß an professioneller Kommunikation und Empathie, um einen gemeinsamen Nenner zum Wohle des Kindes zu finden.
Die pädagogische Konzeption bei KIWI und das Leitbild sind dabei wichtige Orientierungshilfen für beide Seiten. Bei aller Erleichterung der Eltern, einen Kindergarten- oder Hortplatz erhalten zu haben, ist es wichtig, sich mit diesen Grundlagen zu beschäftigen. Auch sprachliche und kulturelle Barrieren stellen eine Herausforderung für die Bildungspartnerschaft dar. Wenn Informationen aufgrund von Sprachdefiziten nicht barrierefrei fließen können oder kulturelle Codes missverstanden werden, können schnell Unsicherheiten oder gar gegenseitige Distanz entstehen, was eine echte Partizipation erschwert. Außerdem entwickelt sich aus der persönlichen Biografie von Eltern manchmal eine bestimmte Vorstellung oder auch Erwartung, wie es im Kindergarten oder Hort für ihr Kind laufen soll. Diejenigen, die zum Beispiel selbst als Kind immer etwas „Gebasteltes“ vom Kindergarten mit nach Hause brachten, sind enttäuscht, wenn moderne Elementarpädagogik heute mehr auf Entwicklungsprozesse der Kinder durch selbst initiierte Bildungs- und Lernprozesse setzt, als auf gebastelte Produkte.
Für Eltern kann es herausfordernd sein, den Erkenntnissen der Hirnforschung und der modernen (Elementar)Pädagogik zu vertrauen, wenn man selbst eine Pädagogik mit strengen Anforderungen und Erwartungen an die eigenen Fähigkeiten erlebt hat. Die beteiligten Erwachsenen an der Bildungspartnerschaft sind nicht Konkurrenten, wenn es um das Wohl des Kindes geht, sondern arbeiten zum Wohle des Kindes und auch zum Schutz des Kindes zusammen.
Allerdings muss über die Rollenverteilung miteinander gesprochen werden, um Klarheit zu schaffen. Pädagog*innen haben einen anderen Auftrag als Eltern – aber beide Aufträge zusammen ergeben die optimale Bildungsförderung für ein Kind. Ein strukturiertes Beschwerdemanagement und regelmäßige Reflexionsgespräche sind auch wichtig, um Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und eine gemeinsame Vertrauensbasis zu schaffen.

Konflikte in der Bildungspartnerschaft
Man darf aber nicht übersehen, dass auch Konflikte in Bildungspartnerschaften auftauchen können. Konflikte können durch unterschiedliche Werte, Erziehungsziele oder Kommunikationsprobleme entstehen. Häufige Ursachen sind Meinungsverschiedenheiten bei Regeln, aber auch fehlendes Vertrauen oder wenn Eltern sich nicht ausreichend informiert fühlen. Konflikte sind oft von hoher Emotionalität begleitet und haben z. B. folgende Auslöser:
- Differenzen im Bildungs- und Erziehungsziel sowie Erziehungsstil: Unterschiedliche Vorstellungen über Regeln, Grenzen setzen, Selbstständigkeit, Ernährung und Hygiene
- Kommunikationsprobleme: Fehlende oder missverständliche Informationen über den Kindergarten-Alltag oder die Entwicklung des Kindes.
- Abhol- und Bringzeiten: Nichteinhaltung von Absprachen oder Regeln der Einrichtung.
- Überlastung: Eigene empfundene Alltagsbelastungen können bei allen Beteiligten zu „dünnhäutigen“ Reaktionen führen.
- Instrumentalisierung: Es kann auch geschehen, dass der Kindergarten in private Sorgerechts- oder Beziehungsstreitigkeiten einbezogen wird.
- Entwicklungsfragen: Unterschiedliche Ansichten über den Förderbedarf eines Kindes können auch zu Differenzen führen
Konflikte sind normal und können bei einem konstruktiven Umgang miteinander die Bildungspartnerschaft sogar stärken. Mögliche Lösungsansätze, bei denen es immer der Offenheit und Bereitschaft von beiden Seiten bedarf, sind:
- Klare Kommunikation: Es werden regelmäßige, wertschätzende Elterngespräche geführt und Erwartungen transparent gemacht. Auch Eltern sollten Wertschätzung zeigen und Gespräche bei Bedarf auch zwischendurch erbitten.
- Gegenseitiges Verständnis: Die pädagogischen Fachkräfte bewahren eine offene und professionelle Haltung, aber auch die Eltern sollten Vorwürfe vermeiden und sich bemühen, die Perspektive des anderen zu verstehen.
- Transparenz: Die Arbeit des Kindergartens oder Hortes wird offengelegt, um Einblicke in pädagogische Entscheidungen zu gewähren, aber auch die Eltern sollten proaktiv nachfragen, wenn sie bestimmte Zusammenhänge genauer erklärt haben möchten.
- Verbindliche Absprachen: Absprachen über die Zusammenarbeit werden von Seiten der Institution, der pädagogischen Fachkräfte und den Eltern gemeinsam getätigt, die aber auch von beiden Seiten eingehalten werden müssen. Das gilt auch für Absprachen mit Kindern. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit ist ein hohes Ziel. In der Hortbetreuung kommen noch weitere Partner und Partnerinnen hinzu, nämlich die Lehrkräfte.
- Frühzeitige Klärung: Probleme und Fragen sollten immer zeitnah angesprochen werden, bevor sie sich verfestigen. In der Schulkindbetreuung geht es hierbei oft um Leistungserwartungen der Schule an die Kinder. Frühzeitige Klärungen mit den Lehrpersonen helfen Kindern durch individuelle Anpassung der Leistungserwartungen an die Stärken des einzelnen Kindes zu einem gelungenen schulischen Werdegang.
- Übereinkunft bzgl. Verhalten: Ein Miteinander, das von Respekt und Wertschätzung sowie gegenseitigem höflichen Umgang geprägt ist, wird von Kindern erwartet und ist auch Grundlage der Bildungspartnerschaft zwischen Fachkräften und Eltern. Die jeweilige Konzeption der KIWI-Kindergärten und Horte ist hierfür Grundlage.

Hand in Hand: Warum Bildungspartnerschaft eine großartige Sache für unsere Kinder ist
Nach all diesen Ausführungen wird wohl deutlich, wie unverzichtbar und wichtig eine gelungene Bildungspartnerschaft für die Entwicklung und Bildung Ihres Kindes ist. Bildungspartnerschaft beginnt mit der Anmeldung. Eine gute Bildungspartnerschaft bietet Ihnen die Chance, Ihre Erziehungskompetenz zu stärken, denn Eltern erhalten durch den Dialog fachliche Unterstützung und Reflexionsmöglichkeiten für ihren Erziehungsalltag.
Weitere positive Auswirkungen liegen darin, dass das Wohlbefinden und die Resilienz des Kindes gestärkt werden, sich die sozialen Kompetenzen und (späteren) schulischen Leistungen verbessern und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Einrichtung gefördert wird. Vertrauen ist das unsichtbare Fundament, auf dem die gesamte Zusammenarbeit steht. Ohne Vertrauen bleibt die Bildungspartnerschaft nur eine formale Abwicklung von Betreuung – mit Vertrauen wird sie zu einer echten Unterstützung für das Kind. Erziehungs- und Bildungsprozesse verlaufen selten ohne Krisen, wie etwa Trotzphasen, Schlafprobleme, Konflikte in der Gruppe und auch Konflikte zu Hause.
In einer vertrauensvollen Partnerschaft trauen sich Eltern, ehrlich über Probleme zu Hause zu sprechen, ohne Angst vor Verurteilung zu haben. Nur wenn die Pädagog*innen wissen, was das Kind aktuell belastet, können sie im Kindergarten oder Hort angemessen und sensibel darauf reagieren. Dafür braucht es einen Vertrauensvorschuss von Eltern und eine wertschätzende Haltung der Teams. Wenn beide Seiten ihre Beobachtungen teilen, die vielleicht schwierig anzunehmen sind, wie z. B. bei Entwicklungsverzögerungen, können Eltern dies nur annehmen, wenn eine Vertrauensbasis besteht. Ohne Vertrauen wirken solche Rückmeldungen wie Kritik an der Erziehungskompetenz; mit Vertrauen werden sie als gemeinsame Suche nach der besten Lösung verstanden.
Wo Menschen zusammenarbeiten, passieren Fehler oder Missverständnisse. Vertrauen sorgt dafür, dass man miteinander, statt übereinander redet. Man unterstellt dem Gegenüber eine gute Absicht („Bestimmt gab es einen Grund, warum das heute so gelaufen ist“) und klärt Probleme direkt, bevor sie eskalieren. Für viele Eltern ist die Abgabe des Kindes ein emotionaler Kraftakt. Vertrauen schenkt den Eltern die innere Ruhe, sich während der Arbeitszeit auf ihre eigenen Aufgaben zu konzentrieren, weil sie wissen, dass ihr Kind in kompetenten und liebevollen Händen ist. Dies gilt vor allem auch für die Eltern von Schulkindern, die manchmal froh sind, wenn sie mit der Pädagogin, dem Pädagogen eine starke Partnerin, einen starken Partner an der Seite haben, um die Anforderungen der Schule nachvollziehen zu können.
„Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.“ – Matthias Claudius





